Letzte Woche habe ich auf meiner Website eine Umfrage geschaltet. Ich wollte herausfinden, was Frauen in Bezug auf ihren Beckenboden wirklich bewegt. Innerhalb von zwei Tagen haben mir über 50 Frauen geantwortet, und viele haben mir sehr offen geschrieben.
Eine Sache, die einige Frauen geschrieben haben, hat mich beim Lesen betroffen gemacht, und ehrlich gesagt auch wütend. Nicht auf die Frauen. Sondern auf das, was dahintersteht.
Bei vielen scheint die Meinung vorzuherrschen, dass manche Symptome nach einer oder mehreren Geburten eben „normal“ seien und „dazugehören“.
Sinngemäß aus meiner Umfrage
„Ist dieses Gefühl, ausgeleiert zu sein, nach mehreren Geburten nicht einfach normal?“
„Zwei Schwangerschaften kann man ja nicht ausradieren.“
„Dafür, dass ich zwei Kinder bekommen habe, ist er doch gut. Oder geht da noch mehr?“
„Wird er je wieder so stabil wie vor den Kindern?“
Und viele haben ihren Alltag längst darauf eingestellt. Sie haben mir geschrieben, dass sie nicht mehr springen und nicht mehr joggen, dass sie beim Niesen die Beine kreuzen, dass der lange Morgenspaziergang nicht mehr geht oder dass sie an den ersten Tagen ihrer Periode ihre Kinder nicht hochheben und nicht mit ihnen herumtoben. Kein Wort kam dabei so oft vor wie „Trampolin“.
All das sehen viele Frauen als den „normalen Lauf der Dinge“, mit dem man sich nun abfinden muss.
Woran liegt das? Warum nehmen wir Frauen diese Symptome einfach so hin?
Woran liegt das?
Ich glaube, dafür gibt es mehrere Gründe.
Über Schlafmangel und Trotzphasen tauschen wir uns auf jedem Spielplatz aus. Über Druckgefühl „da unten“ oder ein paar Tropfen beim Husten eher nicht. Was niemand ausspricht, fühlt sich schnell wie ein privates Schicksal an.
Die Freundin kreuzt beim Niesen die Beine. Die Schwester bleibt beim Trampolin lieber am Rand. Die eigene Mutter lacht über ihre „schwache Blase“. So wird aus einer Beschwerde, um die man sich kümmern könnte, ein Familienerbe, das still weitergegeben wird, von Generation zu Generation. Aber häufig ist nicht normal. Und schon gar nicht unveränderbar.
Die Kinder, der Job, der Haushalt: Unsere eigenen Beschwerden landen ganz unten auf der Liste. Eine Frau fragte mich sinngemäß, wann sie überhaupt Zeit finden soll, über ihren Beckenboden nachzudenken.
Nach dem Rückbildungskurs scheint das Kapitel abgeschlossen. Dass der Beckenboden ein Muskel ist, den man auch Jahre später noch gezielt trainieren kann, wissen viele schlicht nicht.
Was bei einer Geburt mit deinem Beckenboden passiert
Dein Beckenboden ist eine Gruppe von Muskeln, eingebettet in Bindegewebe, die dein Becken nach unten abschließt. In der Schwangerschaft trägt er Monat für Monat mehr Gewicht. Bei einer vaginalen Geburt wird er so stark gedehnt wie kaum ein anderer Muskel in deinem Körper.
Dass er danach Zeit braucht, ist völlig logisch. Dass er sich „anders“ anfühlt, ist erst einmal nichts Ungewöhnliches. Und ehrlich gesagt: Bei manchen Frauen verändert sich auch etwas dauerhaft, zum Beispiel am Bindegewebe. Das gehört zur Wahrheit dazu.
Ein Muskel, der gedehnt, geschwächt oder verletzt wurde, ist nicht automatisch ein Muskel, mit dem nichts mehr geht.
Auch nicht nach zwei Kindern.
Was eine Sportlerin an deiner Stelle tun würde
Stell dir eine Fußballerin vor, die sich am Knie verletzt. Würde sie sagen: „Na ja, mein Bein funktioniert halt nicht mehr so, dann laufe ich eben nicht mehr“? Wahrscheinlich nicht.
Sie würde nicht aufgeben. Sie würde anfangen.
Sie würde nicht erwarten, dass alles von allein zurückkommt. Und sie würde nicht aufgeben, bevor sie es gezielt versucht hat.
Sie lässt sich untersuchen und schaut mit ihrer Physiotherapeutin, was los ist.
Sie startet mit dem, was ihr Körper gerade schafft.
Mehr Belastung, dann die Bewegungen ihres Sports.
Warum sollte das für deinen Beckenboden anders sein? Er ist ein Muskel wie jeder andere. Er hat nur das Pech, dass kaum jemand über ihn spricht.
„Wird eh nie wieder wie vorher“: Muss es das denn?
Ich verstehe den Gedanken. Vielleicht wird nicht alles genau so wie vor der Schwangerschaft. Aber die bessere Frage ist eine andere. In meiner Umfrage habe ich gefragt: Wenn eine gute Fee dir einen Wunsch erfüllen könnte, was würdest du als Erstes wieder tun?
Das haben sich die Frauen gewünscht
- ohne Sorge Trampolin springen
- mit den Kindern Fangen spielen
- wieder joggen und Sport machen wie früher
- husten und niesen, ohne Angst und ohne stehen zu bleiben
- einen Abend lang durchtanzen
Das sind keine überzogenen Wünsche. Im Kern geht es um die Freiheit, sich ohne Nachdenken zu bewegen. Und dieser Wunsch verdient es, dass du genauer hinschaust, statt ihn still abzuhaken.
Warum „ein paar Übungen machen“ oft nicht reicht
Viele Frauen haben nach der Geburt einen Rückbildungskurs gemacht oder irgendwann ein paar Beckenbodenübungen ausprobiert. Wenn sich nichts verändert hat, liegt der Schluss nahe: „Bei mir bringt das eben nichts.“
Eine Frau schrieb mir sinngemäß, dass sie ihren Beckenboden gar nicht spüren und gezielt ansteuern kann. Wie sollen Übungen da wirken?
Oft fehlt aber etwas ganz anderes:
Deshalb integriere ich das Beckenbodentraining in ein Krafttraining für den ganzen Körper, genau wie in einer guten Sport-Reha.
Findet euch nicht damit ab!
Ich möchte dir nichts versprechen, was ich nicht versprechen kann. Jeder Körper und jede Geburt ist anders. Was bei dir möglich ist, lässt sich nur individuell herausfinden.
Aber eines möchte ich dir mitgeben: Du darfst Ansprüche an deinen Körper haben. Auch nach zwei Kindern. Auch wenn die Geburt schon Jahre her ist.
Wo steht dein Beckenboden gerade?
Im kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, was für dich ein sinnvoller nächster Schritt sein kann.
Kennenlerngespräch vereinbarenDu musst dich nicht sofort entscheiden. 🤍
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Untersuchung. Bitte lass Beschwerden individuell abklären.

